Kindern ein Zuhause und Hoffnung geben

Newsletter 2011-09

Liebe Leute,

der Reisebericht von Erika und Familie gibt euch heute genug Lesestoff und hoffentlich eine Anregung, auch mal mit uns nach Kenia zu kommen! Im Dezember geht´s wieder los und wer mag, kann mir etwas für die Kinder zuschicken.

Wir besorgen auch wieder viele Weihnachtsgeschenke vor Ort, deshalb sind auch leicht transportierbare bedruckte Papiere willkommen, um unseren kids eine Freude zu machen.

Unsere Prakitkantinnen  Judith und Charlotte haben sich gut eingelebt und sind happy über die neuen Wassersitzklos im Gästehaus, welch ein technischer Durchbruch! Sie leben 6 Monate mit unseren Kindern im Dorf, haben aber auch Internet direkt vom Sofa aus –  die Welt ist klein geworden!

Eine letzte Meldung: Unser Mitarbeiter Bernhard (der mit den 7 Jungs und Elvis als Erstgeborenen) heiratet seine Frau nun auch kirchlich. Es kommen sicher 400 Leute, die alle essen wollen. Wer Bernhard ein Geschenk machen möchte, kann mir etwas für ihn mitgeben.

Das wars für heute, lest den Reisebericht und denkt an unsere kids in Kenia, denen wir eine gute Zukunft schenken möchten.

Alles Liebe und Segen wünscht Euch

Carsten Werner

Reisebericht

Reiseland Kenia – Reiseziel Seed of Hope

Zufällig waren wir in der Gesamtschule Barmen (Wuppertal) bei dem Konzert von „Sounds of Hope“ im März diesen Jahres. Begeistert von der Musik und dem Projekt haben wir uns als Familie aufgemacht, Seed of Hope zu entdecken.

Wir, das sind Norbert (47), Pablo (14), Selina (12) und ich, Erika (43).

Die Anreise aus Nairobi
Kitale hat zwar einen eigenen Flughafen, den man bequem in 45 Minuten von Nairobi aus für ca. € 80,- anfliegen kann. Wir haben uns jedoch entschieden viel preiswerter zu fahren: zu neunt mit einem Gruppentaxi – in der Landessprache „matatu“ genannt.   Allerdings wussten wir nicht, dass die Straßen, die Nairobi und Kitale verbinden, in einem so schlechten Zustand sind, dass unser Gruppentaxi während der gesamten 9-stündigen-Fahrt mehr als geräuschvoll ruckeln sollte, und zwar so laut, dass wir nach nur wenigen Minuten überzeugt waren, dass das „matatu“ seine letzte Fahrt angetreten war, und uns niemals sicher, vollständig und vor allem ohne Gehörsturz bis ins ca. 400 km entfernte Kitale bringen würde.
Das Gruppentaxi hat die Fahrt natürlich ohne Schaden überstanden, wir eigentlich auch, obwohl wir nicht die ganze Zeit davon überzeugt waren. Wir wurden lustig im Inneren des Fahrzeugs 8-Stunden-lang im regelmäßigen Takt hin- und hergeschüttelt, und jeder Versuch, auch nur einige Sekunden einzunicken, war ohnehin im nächsten Schlagloch zu ende.

Kitale
Nachdem wir die abenteuerliche Hinfahrt überstanden hatten, kamen wir in eine vor Menschen wimmelnden Stadt. So kam es uns jedenfalls vor, denn Kenianer scheinen ihren Tag im Freien zu verbringen, immer auf dem Fußweg irgendwohin, immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, ein paar Schilling zu verdienen.
Wir sahen viele Geschäfte, aber auch unzählige “Buden”, mehr oder weniger feste Hütten, aus Bambus – oder aus dem Material, was sich gerade so fand, in denen kenianische Kleinhändler ihre Ware feil bieten. Von leeren Wasserflaschen, über  Schrauben bis hin zu tollen Maßanzügen, konnte man in diesen Buden alles käuflich erwerben. Man sollte als weißer Tourist niemals zum erstgenannten Preis kaufen, denn der Kenianer erwartet, dass gehandelt wird. 50 % des genannten Erstpreises waren meist immer noch mehr, als das, was jeder Kenianer für die gefragte Ware bezahlt hätte. Allerdings fiel es uns immer wieder sehr schwer, die Verkäufer durch Handeln um die paar Schilling zu bringen, die in € umgerechnet für uns relativ geringe Summen ergaben.

Unser Gasthaus KARIBUNI LODGE

Preiswert und familiär wurden wir sehr gut in der Karibuni Lodge untergebracht, die ca. 3 km von der Innenstadt entfernt liegt. Das Haupthaus und die kleinen, teilweise rustikalen Schlafhäuschen liegen innerhalb eines großzügigen, tropisch angelegten Gartens. Abend für Abend sind wir überrascht und verwöhnt worden, denn die Karibuni Lodge verfügt über einen hervorragenden Koch, Ibrahim, der ziemlich lecker kenianisch oder libanesisch gekocht hat. Auf Wunsch wurde auch vegetarisch serviert.

Die Menschen

Die Menschen, denen wir während unseres Aufenthaltes begegnet sind, waren allesamt sehr herzlich. Sie waren offen, interessiert und sehr gastfreundlich. Vielleicht weil es heißt, dass 40 % der Kenianer unter 18 sind, trafen wir überall wo wir hinkamen auf unzählige kleine, großzügig lachende, aber dennoch schüchtern dreinschauende Kinder.

Sie zeigten offen ihre Freude über den weißhäutigen Besuch, und hofften, ein paar Süßigkeiten zu ergattern. Aber auch nur ein nettes “How are you?” brachte sie zum lachen, und stolz riefen sie den auswendig gelernten Satz “Fine thank you, and you?” zurück. Noch viel aufregender empfanden sie die Bitte, von ihnen ein Foto machen zu dürfen. Wenn sie sich dann auf dem Display wiedererkannten, war ihre Freude grenzenlos.
Überall, wo unser kleiner Bus herfuhr, konnten wir viele kleine Hände beobachten, die stets auf die Gelegenheit zu warten schienen, den Touristen heftig zuwinken zu können.

Seed of Hope

Bei unserer Ankunft in SOH sind wir sehr herzlich empfangen worden. Alle Kinder und Jugendlichen haben sich überschlagen, Gedichte vorzusagen, Lieder vorzusingen und Tänze aufzuführen. Es war sehr rührend, soviel Herzlichkeit entgegengebracht zu bekommen, wo wir bis dahin das Gefühl hatten, doch noch nichts geleistet zu haben.

Es ist uns sehr aufgefallen, wie viel Liebe die Kinder für „Papa Daniela“ empfinden.

Egal wo Carsten sich aufgehalten hat, stets umkreisten ihn liebevoll die Kinder.

Sehr schnell wurden auch wir Freunde der Kinder, und schon hatten wir bei jedem Spaziergang eine oder mehrere kleine Hände, die sich geräuschlos in unsere Hände schoben, um einfach nur festgehalten zu werden.

Wir können nicht mehr genau sagen, an welchem Tag genau welches Programm war. Wir waren jedenfalls mit den Kindern schwimmen, im Museum und im Park Captain Davis. Wir haben mit Ihnen einen Sportwettkampf organisiert und einen Bastelnachmittag gemacht. Letzteres zum Beispiel, ist uns besonders in Erinnerung geblieben. An dem Nachmittag haben die Kinder zuerst Bilder gemalt und mit Papier gebastelt, später dann mit bunten Perlen Armbänder und Ketten gemacht. Das fanden sie so schön, dass am Abend das Perleneinfädeln richtig abgebrochen werden musste. Es war – ohne es richtig wahrzunehmen – so spät geworden, dass wir schon zum Abendessen zurück in unser Gasthaus fahren mussten. Am nächsten Tag sahen wir alle Kinder, die mitgemacht hatten, mit einer bunten Kette um den Hals, oder einem Armband herumlaufen. So mancher hatte sich die restlichen Perlen in die Tasche gesteckt und diese abends weiter eingefädelt, so dass wir an jedem Kind die bunten Perlenketten bewundern konnten. So wenig, und so viel Freude!

Unsere Kinder haben sich mit den Kindern richtig angefreundet. Mit den großen und den kleinen, aber auch mit den vielen Erwachsenen, die stets dafür gesorgt haben, dass es dem Besuch gut ging.

Das gemütliche Kaffee trinken am Nachmittag haben wir sehr genossen. Im Schatten des großen Strohdaches saßen wir Erwachsenen ganz entspannt und tranken leckeren, in heißem Milchwasser gelösten Kaffee. Die Kinder stets um uns herum, mal auf unserem Schoß, mal hinter dem Rücken eine Massage verabreichend, mal aus unseren Haaren kleine Zöpfe flechtend. Und immer herzlich, lachend und Nähe und Wärme suchend.

Die Anlage von Seed of Hope hat uns sehr gut gefallen. Die Wohnhäuser sind geräumig und schön geschmückt.  Die großen ziehen sich darin zurück, um Musik zu hören oder zu quatschen, die kleinen rennen stets rein und raus, es ist richtig viel los. Es ist alles sehr einfach, aber in ihrer Einfachheit sehr liebevoll eingerichtet. Der Garten ist so großzügig, dass 70 spielende Kinder sich in ihrem Bewegungsdrang nicht einschränken müssen. Es kann gleichzeitig Fußball, Volleyball und verstecken gespielt werden. Die Hunde haben ihren Bereich und für die Hühner bleibt immer noch ausreichend Platz, um die spielenden Kinder herum ihr Körnchen und Würmchen zu picken.

Das Haupthaus, in dem die Mahlzeiten und die Feste statt finden ist groß und füllt sich mit unglaublichem Leben, sobald das Essen ausgeteilt wird. Wir wurden sehr gut versorgt, es wurde so selbstverständlich immer etwas Besonderes für uns Gäste gekocht, dass es uns teilweise ja fast unangenehm war, besonders behandelt zu werden. Zu speisen gab so eine Art Spinat (lecker!), Huhn, Kalb, Kartoffeln, Reis und die herrlichen „Chapatis“. Diese flache, etwas süßlich schmeckenden Teigbrote sind uns sehr in Erinnerung geblieben.

Sonntags sind wir gegen 9:30 zum Gottesdienst abgeholt worden. Es ist völlig anders, als uns Gottesdienste (in Europa) bislang bekannt waren. Es wird viel gesungen und getanzt, jeder kann sich mit einem Vortrag, einem Gedicht oder etwas anderes einbringen. Die Kinder können jederzeit rein und raus gehen, sitzen, stehen, mitmachen oder nicht, es stört in keinster Weise das Fest,  denn dieses ist das beste Wort, um diese sonntäglichen Stunden in der Ecclesia zu nennen: es findet ein echtes Fest statt, wo der Glaube und das Vertrauen in Gott gefeiert wird.

Der Abschied

Nach erlebnisreichen 10 Tagen mit diesen wunderbaren Geschöpfen kam auch der Tag, an dem wir Abschied nehmen mussten. Die Kinder hatten ein schönes Lied  vorbereitet, das uns sehr bewegt hat. Unseren Kindern und auch uns Erwachsenen  wurden zum Abschied – fast heimlich – kleine, selbst gestaltete Briefe gebracht, mit herzlichen Freundschaftserklärungen darin, und das Versprechen, immer für uns zu beten.

Es fiel uns sehr schwer Abschied zu nehmen, weil wir nach der kurzen Zeit so viele kleine und große Menschen richtig ins Herz geschlossen hatten. Wir freuten uns einerseits auf die anschließende 3-Tages-Safari (das ist eine andere Geschichte) und auch auf  unser Zuhause in Wuppertal, aber das „Loslassen“ nicht nur von Seed of Hope und den Menschen, sondern überhaupt von Kitale, dieser ach doch so chaotischen Stadt, und von diesem Herz erwärmenden und erfüllenden Trip nach Kenia, war ein Schritt, der doch  schwerer gefallen ist.

Nach dieser wirklich tollen Reise haben wir beschlossen, zwei Patenschaften zu übernehmen, denn wir konnten vor Ort erleben, wie viel Hoffnung „Seed of Hope“ nach  Liyavo gebracht hat.

Nun hoffen wir,  irgendwann, in der nicht all zu fernen Zukunft, unsere neugewonnenen Freunde in Liyavo wiedersehen zu können…

Erika, Norbert, Selina und Pablo

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